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Der Kiefernfadenwurm (Bursaphelenchus xylophilus) in einer Japanischen Rotkiefer (Pinus densiflora).Bild: Y. Mamiya, Bugwood.org

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Hat der Kiefernfadenwurm nun auch die Schweiz im Visier?

Im März 2026 wurde in Frankreich ein zweiter Befall mit Kiefernfadenwürmern entdeckt. Der Schädling stammt ursprünglich aus Nordamerika und kam via Asien nach Portugal und Spanien. Setzt er nun seinen Weg in Richtung der Schweizer Wälder fort?

Michael Clottu | Freier Zugang zum Wald für alle, ohne Ausnahme? Fast. Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Velofahrerinnen und Velofahrer oder auch Pilzlerinnen und Pilzler sind unter dem Blätterdach willkommen. Bursaphelenchus xylophilus hingegen ist dort Persona non grata.

Er misst weniger als einen Millimeter, und doch zählt der gemeinhin als Kiefernfadenwurm bezeichnete Nematode zu den von den forstlichen Pflanzenschutzdiensten am meisten gefürchteten Schädlingen. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, wurde er vor einem Jahrhundert nach Asien eingeschleppt und 1999 in Portugal sowie 2008 in Spanien nachgewiesen. Im November 2025 wurde der mikroskopisch kleine Wurm erstmals in Frankreich nachgewiesen, im Département des Landes im Südwesten; ein zweites Mal im März 2026.

Für das Forstpersonal und die Schweizer Waldeigentümerinnen und -eigentümer ist diese Information von Belang. Zwar hat der Fadenwurm die Schweiz noch nicht erreicht, aber er verfügt über drei problematische Eigenschaften: Er kann befallene Kiefern rasch abtöten, er verbreitet sich über in Europa vorkommende Insektenüberträger, und vor allem kann er durch den Holzhandel weite Strecken zurücklegen. Auf diesem Weg hätte er sich im Frühling 2011 beinahe in der Schweiz etabliert. Nach Angaben des Bundesamts für Umwelt (BAFU) wurde der Parasit damals in einer Lieferung mit Nadelbaumrinde aus Portugal entdeckt, die für die Gartengestaltung bestimmt war. Die Lieferung wurde sofort vernichtet.

Ein unauffälliger, aber brutaler Killer

Allein käme dieses winzige Wesen nicht weit. Doch durch den weltweiten Holzhandel – mit Schiffen, Lastwagen, Paletten und anderen Verpackungen – wird der Schädling zu einem gefürchteten Weltenbummler. Über eher kurze Distanzen verbreitet sich der Fadenwurm vor allem auf dem Luftweg.Er fliegt dabei nicht aus eigener Kraft, sondern parasitiert holzfressende Langhornkäfer, die ihn unwissentlich mitführen. In Europa handelt es sich dabei vor allem um Monochamus galloprovincialis.

Ein gut eingespielter Zyklus

Der Lebenszyklus des Schädlings beruht auf einem besonders effizienten Mechanismus: Zu Tausenden besiedelt er den Körper des Langhornkäfers, von dem aus er zunächst einen gesunden Baum befällt. Via seinen Wirtskäfer oder andere Exemplare lässt sich der Fadenwurm zu geschwächten Bäumen weitertragen. Auf diesen befällt er die Eier, welche sein Wirt dort ablegt, womit der Kreislauf von Neuem beginnt. Dürren, Brände, Borkenkäferbefall oder Pilzinfektionen können die Anzahl der zur Fortpflanzung des Trägerkäfers günstigen Wirtsbäume vervielfachen. Auch wenn Borkenkäfer nicht als wesentliche Überträger des Fadenwurms gelten, können sie dessen Lebenszyklus indirekt begünstigen, indem sie die Bäume schwächen und sie so für Langhornkäfer attraktiver machen. Sobald die Barriere der Rinde überwunden ist, vermehrt sich der Wurm rasch und besiedelt die Harzkanäle sowie die Saftleiter.

Von der Paarung bis zur Entwicklung eines erwachsenen Wurms dauert es bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C etwa fünf, bei 15 °C zwölf Tage. Die Vermehrung erfolgt äusserst schnell, sodass die Population im Baum sozusagen explodiert, das Leitgewebe verstopft und eine Art Xylem-Embolie verursacht. Die Nadeln verfärben sich rot, die Triebe welken, der Baum geht ein. Unter Umständen kann ein Baum bereits nach wenigen Wochen absterben.

Der Holzhandel fördert die Ausbreitung

In Frankreich geht das Nationale Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Inrae) davon aus, dass die 500 km Distanz, welche die portugiesischen Befallsherde von den französischen trennen, darauf hindeuten, dass «auch hier der Transport durch den Menschen die Ursache für diese Invasion ist». Zwar ist das Überträgerinsekt im Laufe seines Erwachsenenlebens durchaus in der Lage, mehrere Dutzend Kilometer zurückzulegen, dies ermöglicht jedoch lediglich eine natürliche Ausbreitung auf lokaler oder regionaler Ebene. Grössere geografische Sprünge sind hingegen auf Logistikketten zurückzuführen.

Die europäische Geschichte des Fadenwurms untermauert diese Interpretation. Nach Angaben von Inrae haben DNA-Analysen gezeigt, dass die auf der Iberischen Halbinsel vorkommenden Fadenwürmer aus Asien und nicht aus Amerika stammen. Die Forschenden vermuten, dass einer der asiatischen Pavillons an der Weltausstellung von 1998 in Lissabon mit kontaminiertem Holz erstellt wurde. Sie betonen, dass der Befall in der Region Galicien (ESP) «offiziell ausser Kontrolle ist und sich in besorgniserregender Weise ausbreitet». Die Situation ist deshalb so besorgniserregend, weil in den am stärksten betroffenen Ländern jährlich rund eine Million Bäume absterben. In Portugal beispielsweise hat der Wurm mittlerweile mehr als die Hälfte der Fläche der Seekiefernwälder (Pinus pinaster) befallen und deren Ertrag um 30 % reduziert.

Kiefernfadenwurm vs. Alpenland

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass die Schweiz vor einem identischen Szenario steht. Die Seekiefer, eine zentrale Baumart im Südwesten Frankreichs, ist in hiesigen Breitengraden nicht weitverbreitet. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) weist jedoch darauf hin, dass in der Schweiz einheimische Kiefern wie Pinus sylvestris, Pinus mugo oder Pinus nigra ebenfalls potenzielle Wirtsbäume seien, während «andere Nadelbäume als Reservoir dienen können», ohne zwangsläufig dieselben Symptome oder Schäden aufzuweisen.

Diese Nuance ist wichtig: Der Fadenwurm würde zwar nicht den gesamten Schweizer Wald bedrohen, könnte aber in bestimmten Regionen und Beständen zu einem grossen Problem werden. Jenseits des Atlantiks, wo der Schädling heimisch ist, haben sich die Kiefern gemeinsam mit ihm entwickelt und weisen im Allgemeinen eine deutlich bessere Toleranz gegenüber seiner Anwesenheit auf. In Asien und Europa ist dies (noch?) nicht der Fall. In Schweizer Wäldern ist daher weiterhin Wachsamkeit geboten.

Strukturierte Überwachung

Aus diesem Grund führt «Waldschutz Schweiz», die Fachgruppe der WSL, die für die wissenschaftlichen und technischen Aspekte im Bereich der biotischen Risiken zuständig ist, gemeinsam mit den Kantonen und dem BAFU eine flächendeckende Überwachung durch, die sich auf acht für den Wald besonders gefährliche Organismen konzentriert. Dazu gehört auch der Kiefernfadenwurm, der als Quarantäneorganismus eingestuft wird , gegen den am dringendsten vorgegangen werden muss, da er auf dem Gebiet der Schweiz oder der EU erhebliche wirtschaftliche, soziale und ökologische Schäden verursachen kann.

Schon vor der Einführung dieser strukturierten Überwachung, die seit 2025 die gesamte Schweiz abdeckt, führten einige Kantone aktive Überwachungsmassnahmen durch. Diese Überwachung ist risikobasiert: Die Untersuchungen konzentrieren sich auf Gebiete, in denen die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung oder Ansiedlung eines besonders gefährlichen Schadorganismus am höchsten ist. Im Fall des Kiefernfadenwurms bedeutet dies insbesondere die Überwachung der Einfuhrwege im Zusammenhang mit dem Handel mit Holz, Rinde, Holzprodukten und Verpackungen sowie von Standorten, an denen risikobehaftete Güter ankommen oder gelagert werden können. Valentin Queloz, Gruppenleiter «Waldgesundheit und biotische Wechselwirkungen» an der WSL, weist darauf hin, dass die Schweiz Ende 2025 noch immer als frei von Bursaphelenchus xylophilus galt.

Der Klimawandel verändert die Lage

Der Klimawandel könnte jedoch die Lage grundlegend verändern. Denn auch hier schwächen Hitze, Trockenheit und ausgeprägte Klimaereignisse bereits die Vitalität vieler Bestände. Geschwächte Bäume sind anfälliger für Schädlinge. Im Fall des Kiefernfadenwurms äussert sich Valentin Queloz klar: «Ein wärmeres und trockeneres Klima erhöht das Risiko einer Ansiedlung. Dieser Faktor fliesst bereits mittels eines bioökonomischen Modells in die Schweizer Überwachung ein.»

Es geht also nicht nur darum, ob der Fichtenfadenwurm eines Tages in die Schweiz gelangen wird, sondern darum, zu beurteilen, wo die Bedingungen für seine Ansiedlung am günstigsten wären. Besondere Aufmerksamkeit verdienen daher die warmen und trockenen Regionen. Die WSL nennt in ihrem Informationsblatt zum Kiefernfadenwurm insbesondere den Süden des Tessins, das Rhonetal, das Oberwallis, die Region Genf, das Rheintal bei Chur sowie die Region Basel. Dies sind genau jene Gebiete, in denen Kiefern eine wichtige ökologische, landschaftliche oder schützende Rolle spielen können und in denen bestimmte Käfer der Gattung Monochamus heimisch sind. Deshalb werden im Rahmen des eingerichteten Überwachungsprogramms regelmässig Probesammlungen durchgeführt und die gesammelten Exemplare anschliessend analysiert. Valentin Queloz erklärt: «Auch wenn ein Befall in der Schweiz unbedingt verhindert werden muss, darf nicht vergessen werden, dass Kiefern nicht die einzige Nadelbaumart in der Schweiz sind, weshalb das gesamte Waldökosystem nicht direkt bedroht ist. Das Wirtsspektrum von Bursaphelenchus xylophilus ist enger als das anderer vorrangiger Quarantäneorganismen.»

Diese Priorisierung ist entscheidend. Sie hilft, die beiden Extrempositionen zu vermeiden: das Risiko herunterzuspielen, weil der Schädling noch nicht vorhanden ist, oder die Lage so zu dramatisieren, als ob der gesamte Schweizer Wald kurzfristig bedroht wäre. Die Realität liegt dazwischen. Der Kiefernfadenwurm ist eine ernst zu nehmende Bedrohung, die gezielt überwacht wird und umso besorgniserregender ist, als sich das Klima zu seinen Gunsten verändert.

Und wenn morgen ein Befall aufträte?

Die Schweiz verfügt bereits über ein spezifisches Modul in der Vollzugshilfe «Waldschutz» des BAFU. Dieses Dokument bildet den Schweizer Notfallplan zur Bekämpfung des Kiefernfadenwurms. Es legt die Zuständigkeiten, die Verfahren, die Kommunikationsmassnahmen, die Laboranalysen und die im Falle eines Befalls zu ergreifenden Massnahmen fest.

Konkret würde ein Befall zur Abgrenzung eines Gebiets führen. In der Ausrottungsphase würde rund um den Befallsherd eine Fokuszone mit einem Radius von mindestens 500 m um jede befallene Pflanze eingerichtet. In begründeten Fällen könnte dieser Radius auf 100 m reduziert werden, jedoch nur bei verstärkten Überwachungsmassnahmen. Um die Fokuszone würde eine Pufferzone von mindestens 6 km eingerichtet. Die Massnahmen wären einschneidend: Fällen und Vernichten aller befallenen Pflanzen, vorsorgliches Fällen anfälliger Pflanzen in der Fokuszone, Verkehrsbeschränkungen für Holz, Rinde, anfällige Pflanzen und Verpackungsmaterial aus Holz, Stichprobenkontrollen sowie jährliche Probenahmen und Analysen. Die vor Ort verbleibenden Schlagabfälle müssten zu Hackschnitzeln von weniger als 3×3×3 cm zerkleinert werden. Anfälliges Holz müsste entrindet, behandelt, abgedeckt, unter behördlicher Aufsicht abtransportiert oder vernichtet werden.

Sollte eine Ausrottung unmöglich werden, würde die Strategie auf Eindämmung umgestellt. Um das befallene Gebiet würde eine Pufferzone von mindestens 20 km eingerichtet. Das Ziel wäre nicht mehr die vollständige Beseitigung des Schädlings, sondern seine Ausbreitung in andere
Regionen zu verhindern.

Eine europäische Angelegenheit

Die WSL betont, dass die Überwachung und Bekämpfung besonders gefährlicher Schadorganismen eine europäische Angelegenheit ist. Diese Organismen machen nicht an Landesgrenzen halt. Die Zusammenarbeit erfolgt insbesondere über Fachnetzwerke und über die Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO), die eine wichtige Rolle beim Informationsaustausch und bei der Risikobewertung spielt. Der Fall in Frankreich bestätigt die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Nach dem Nachweis haben die Behörden verbindliche Bekämpfungsmassnahmen ergriffen, wobei ein Umkreis von 500 m um die als befallen bestätigten Bäume als Befallsgebiet sowie eine Pufferzone von 20 km festgelegt wurden. Anfällige Nadelbaumbestände erstrecken sich über mehrere Zehntausend Hektaren. Für die Schweiz ist die Entwicklung der Lage in Frankreich daher kein fernes Ereignis, sondern ein Signal, das es genau zu verfolgen gilt. Ist die Schweiz für einen in Südwestfrankreich in freier Wildbahn lebenden Monochamus geografisch auch weit weg, ist der Weg im Rahmen des  Holzhandels aber nur ein Katzensprung.

Der freie Zugang zum Wald bleibt ein wichtiger Grundsatz. Doch für gewisse blinde Passagiere hat die Schweiz bereits Verbotsschilder und Kontrollen vorgesehen und, falls nötig, die Ketten der Motorsägen geölt. Auf seine Weise erinnert dieser mikroskopisch kleine Wurm auch daran, dass die Entscheidung für Schweizer Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kurzen Lieferketten eine Form der pflanzengesundheitlichen Vorsicht darstellt. Weniger Transportwege, weniger risikobehaftete Verpackungen, weniger böse Überraschungen.

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